Erfahrungen und Wege von Teilnehmern 

 
 
 

Hier schreiben Teilnehmer unserer Sportgruppe darüber, wie sie zu der Gruppe gestoßen sind und was sie für Erfahrungen gemacht haben. 

 
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Michael, 44 Jahre (Geschrieben 2018)

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Hi! Ich bin Michael. Ich bin seit Jahrzehnten adipös und habe Ende 2016 rund 200kg gewogen. Meine Mobilität war durch dieses extreme Gewicht natürlich auch extrem eingeschränkt. Ich hatte ständige Rückenschmerzen, ich war sehr kurzatmig und war schon nach der kleinsten Anstrengung erschöpft. Treppensteigen war eine Qual, Spazierengehen unmöglich. Ich bewegte mich praktisch nur von der Wohnung ins Auto ins Büro ins Auto und wieder zurück. 

Anfang 2017 bin ich dann kollabiert und musste für dreizehn Wochen ins Krankenhaus und in verschiedene Reha-Einrichtungen, davon zwölf Wochen ununterbrochen. 

Dort hat es dann bei mir endlich „Klick“ gemacht. Im Februar 2017 begann ich damit, mein Leben 2.0 zu planen: Ernährung umstellen, alles zu eliminieren, was eine weitere Gewichtszunahme bedeutet hätte und mich über die Krankheit Adipositas zu informieren. Im Mai 2017 war ich endlich wieder zuhause, um einiges leichter, aber leider noch weniger mobil als vorher. Ich habe sechs Wochen lang stramm in Spezialbetten auf dem Rücken liegen müssen. Bedingt durch mein Gewicht war es wohl zu schwierig mich zu mobilisieren, in zwei Krankenhäusern habe ich so gut wie keine Physiotherapie bekommen. Erst in der Früh-Reha habe ich mühsam wieder aus dem Bett gefunden, erst im Rollstuhl, viel später dann mit dem Rollator. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie schwer es als Erwachsener ist, erst das Sitzen auf der Bettkante und dann das Umsetzen in den Rollstuhl und vor allem das Laufen am Rollator zu erlernen. Auch nach den Rehas war ich auf den Rollator angewiesen, vor allem, weil mein Gleichgewichtssinn noch nicht normal funktioniert hat. 

Mein langfristiger Plan, deutlich Gewicht zu verlieren führte mich auch zu regelmäßigen Besuchen der Adipositas-Selbsthilfegruppe Borken. Dort gibt es jeden ersten Mittwoch im Monat einen Expertenabend und dort habe ich zum ersten Mal Dr. Dalhaus getroffen, die dort einen Vortrag gehalten und von ihrer Idee erzählt hat, das „Pilotprojekt“ Adipositas-Rehasport ins Leben zu rufen. 

Ich war mir sofort sicher: „Das ist was für mich, das ist eine weitere Chance“. Ich wollte den verdammten Rollator endlich wieder loswerden. Im September 2017 bin ich dann zuerst zu Dr. Dalhaus und dann, noch mit Rollator, zu der Info-Veranstaltung gegangen und habe mich direkt als Teilnehmer eingeschrieben. 

Nun, fast ein Jahr später sieht meine Zwischenbilanz wie folgt aus: Rollator und Krücken gehören schon lange der Vergangenheit an. Mein Gleichgewichtssinn ist fast zu 100% wiederhergestellt, ich kann frei laufen, ich kann seitwärts und rückwärtsgehen, sogar recht flott gehen wenn es sein muss :-). Bei BiPAP-Gerät konnte ich zurückgeben, weil die durch das massive Übergewicht bedingte Schlafapnoe auch weg ist. 

Wichtig ist, dass ich es wieder gelernt habe, Stolperer abzufangen um Stürze zu vermeiden. Natürlich hat sich auch meine Kondition deutlich verbessert. Lange Spaziergänge inkl. Unterhaltung mit anderen Leuten dabei ist kein Problem mehr, Laufen in der Halle auch nicht. Meine Lebensqualität ist so gut wie seit Jahrzehnten nicht mehr, und da habe ich zu einem großen Teil auch dem Adipositas-Rehasport Rhede zu verdanken. 

Ich freue mich auf jeden Mittwoch und Donnerstag, auch weil ich in unserer Gruppe einige neue Bekannte und auch Freunde gefunden habe. Es hat sich sogar ein Grüppchen gebildet, das regelmäßig lange Spaziergänge im Westmünsterland unternimmt. 

Wenn mir vor zwei Jahren jemand erzählt hätte, dass ich mich sonntags schon auf ein Sporttraining am Mittwoch und Donnerstag wie bolle freue, ich hätte ihn für verrückt erklärt. 

Ich kann jedem, der heute in der Situation wie ich Ende 2016 ist, nur dringend raten: „Informiere Dich, geh in eine Adipositas-Selbsthilfegruppe, komm zu unserem Adipositas-Rehasport. Es hilft mir, es wird auch Dir helfen.“
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Marita, Anfang 60 (Geschrieben 2019)

 

Hallo, ich bin Marita, Anfang 60 und seit vielen Jahrzehnten mehr oder weniger adipös. Wie viele andere habe ich unzählige Diäten mitgemacht, die Ernährung umgestellt, was alles mehr, oder meistens weniger erfolgreich war. Nach Abnehmerfolgen kam der sogenannte Jojoeffekt, das heißt, ca. 20 Kilo abgenommen und 25 kg wieder zugenommen. 

Ich habe mich aber ganz gut mit meiner Situation abgefunden, war immer schick gekleidet und selten mal Mobbing ausgesetzt. Gesundheitlich ging es mir natürlich immer schlechter, ich bekam leichten Diabetes Typ II, den ich aber mit einer Ernährungsumstellung im Griff hatte und keine Medikamente nehmen musste. Dafür waren meine Cholesterinwerte schlecht, mein Kreislauf nicht besonders stabil und ich musste täglich viele Medikamente einnehmen. 

Mein Asthma machte mir mit jeder Gewichtszunahme immer mehr zu schaffen und nachts musste ich ein Gerät zur Atemunterstützung benutzen, ein sogenanntes CPAP-Gerät, da ich bis zu 80 Aussetzer pro Stunde hatte, wie in einer Lungenklinik festgestellt wurde. 

Immer wieder kam der Hinweis, „Sie müssen abnehmen“, aber es gab keine Hilfsangebote.

Im November 2016 ging mein Mann in den Ruhestand und wir zogen ins Münsterland. Wir machten weiter tolle Reisen, aber von vielen kam ich krank zurück, da ich von Kindheit an mehrfach im Jahr eine Bronchitis bekam. Im Mai 2017 erwischte mich diese besonders schlimm und ich musste erst in eine Lungenklinik, und dann weiter in eine andere Klinik für eine Thorax-OP, weil mir nur mit Medikamenten nicht mehr zu helfen war. Als ich entlassen wurde, benötigte ich permanent Sauerstoff und ging fast nur noch mit einem Rollator außer Haus. In der Klinik wurde ich darauf hingewiesen, ob nicht eine Magenverkleinerung für mich machbar wäre und ich informierte mich sehr genau zu diesem Thema.

Während der Vorbereitungen hierzu stieß ich auf die Adipositas-Selbsthilfegruppe in Borken und lernte dort auch Dr. Dalhaus kennen, die zu einem Schnuppernachmittag in die Fitnesshalle nach Rhede einlud, um das Thema Adipositas-Sport bekannt zu machen. 

Nach dem tollen Eindruck, den wir dort gewannen, war für mich und meinen Mann klar, jeden Mittwoch diesen Kurs zu besuchen und sind nun seit der ersten Stunde der Gruppe dabei. Man sollte nicht glauben, wie viel Spaß Sport in der Gruppe Gleichgesinnter machen kann. Niemand schaut einen abschätzig an, weil man dick ist, weil man nicht so mitmachen kann, wie es schlanke Menschen können. Anfangs gab es noch viele Pausen für mich, weil ich ja noch vom Sauerstoff abhängig war. 

Im Dezember 2017 wurde ich am Magen operiert. In einer sogenannten Bypass-OP wurde mein Magen verkleinert und mein neues Leben konnte beginnen. 

Wir sind wie gesagt jeden Mittwoch beim Sport dabei, ich benötige keinen Sauerstoff mehr, keinen Rollator, brauche kaum noch Medikamente und konnte mein CPAP-Gerät wieder zurückgeben. Natürlich ist das auch der großen Gewichtsabnahme von nun 44 kg zu verdanken. 

Insgesamt ist mein Leben nicht mehr mit dem vor einem Jahr zu vergleichen. Wenn ich mittwochs sehe, welche Leistungen wir inzwischen vollbringen, ist bei fast allen eine enorme Leistungssteigerung zu verzeichnen. 

Und wir haben weiterhin viel Spaß zusammen, es haben sich Freundschaften gebildet und eine Spaziergehgruppe, die sonntags zusammen das schöne Münsterland erkundet.

Ich kann allen nur raten, erst einmal einen Schritt zu wagen, es muss keine Operation wie bei mir sein, sondern einfach seine Komfortzone zu verlassen um vielleicht mit dem Sport den Schritt in ein neues Leben einzuläuten.
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Version 5.0.03/2019