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Wie im "schwarzen" Münsterland üblich, ist natürlich auch in Erle die vorherrschende Glaubensrichtung der Katholizismus, bis 2013 vertreten durch die Kirchengemeinde St. Silvester. Danach wurde St. Silvester von der Münsteraner Amtskirche ausgerechnet in die Raesfelder Kirchengemeinde St. Martin zwangseingemeindet. Seit Jahrhunderten war die Kirche mit dem Leben und Streben im Dorf unzertrennlich verbunden und trotz der Zwangseingemeindung spielt die Kirche auch heute noch nicht nur im spirituellen sondern auch vor allem im gesellschaftlichen Leben des Dorfes eine große Rolle. Von den vielen kirchlichen Vereinen und Gruppierungen wie der Landjugend, dem Kolpingsverein, dem Kirchenchor u.v.m. abgesehen unterhält die Kirchengemeinde zwei Kindergärten und ein Pfarrheim. Leider wurde durch Kurzsichtigkeit und Gleichgültigkeit die Kontrolle über das Alte Pastorat, dem ältesten noch vorhandenen Gebäude im Dorf und unersetzliches Mitglied des Ensembles "Femeiche-Kastanienallee und dem Neuen Pastorat" abgegeben in dem es verkauft wurde. Überdies "leiht" der Kirchenpatron St. Silvester noch der Grundschule, einem Kindergarten, dem neuen Pfarrheim und einer Hauptstraße in Erle seinen Namen. Wie verbunden sich viele Gemeindemitglieder ihrer Kirche fühlen zeigt, das ca. 50 Jahre nach dem Krieg mit Hilfe von einer enormen Menge an Spendengeldern es geschafft wurde, die Kirche fast wieder zu ihrem Aussehen vor dem für Erle verhängnisvollen 23. März 1945, als ihr Turm bei der Zerstörung des Dorfes durch die Alliierten in Brand geschossen wurde, zu verhelfen. Seitdem hat sie wieder den höchsten Turm weit und breit, eine Tatsache, die für die Erler Volksseele nicht unerheblich ist.

Das Erler Dorf aus der Luft
Der historische Dorfkern um die St. Silvesterkirche ist immer noch sichtbar
Foto: Reinhard G. Nießing, mit freundlicher Genehmigung
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Katholische Kirchen, die unter dem Schutze des Kirchenpatrons St. Silvester stehen sind in Deutschland sehr selten. Außer Erle gibt es nur noch eine Handvoll anderer St. Silvester geweihter Gotteshäuser: Kapelle St. Silvester in Brenk, Kath. Kirche St. Silvester in Hirschlatt, Kapelle St. Sylvester in Gailenberg, Sylvesterkapelle in Goldbach und Kath. Pfarrkirche St. Silvester in Hausen.

 



WER WAR DER HL. ST. SILVESTER?

Die Wikipedia gibt Auskunft: "Silvester I. († 31. Dezember 335 in Rom), dessen Namenstag am letzten Tag des Kalenderjahres gefeiert wird, amtierte von 314 bis zu seinem Tod 335 als Bischof von Rom (Papst). Silvester folgte am 31. Januar 314 Miltiades als Papst. Sein Name wurde 813 in den Kirchenkalender aufgenommen. Nach ihm wurde der später heiliggesprochene Marcus Papst.

Mittelalterliches Gemälder über die konstantinische SchenkungNach einer frühmittelalterlichen Legende soll Silvester den kranken römischen Kaiser Konstantin den Großen vom Aussatz geheilt und getauft haben. So dokumentiert es die Konstantinische Schenkung, eine gefälschte Urkunde, deren Entstehung man im 6. oder 7. Jahrhundert vermutet. Verbreitet wurde die Legende in der mittelalterlichen Legenda Aurea des Jacobus de Voragine. Zum Dank für die Heilung soll Silvester von Konstantin das sogenannte Patrimonium Petri, das die Grundlage des späteren Kirchenstaates bildete, als Geschenk erhalten haben. Die Behauptungen der Legende halten einer Überprüfung nicht stand: Konstantin hatte bereits 313 im Toleranzedikt von Mailand das Christentum offiziell erlaubt, Silvesters Vorgänger Miltiades das Gelände des heutigen Lateranpalastes übergeben lassen und beim Konzil von Nicaea 325, an dem Silvester persönlich nicht teilnahm, sich aber von zwei Presbytern vertreten ließ, das erste Glaubensbekenntnis festschreiben lassen, das Nicaenum. Silvester war es, der über dem Petrusgrab in Rom, im Gräberfeld des Vatikanischen Hügels, die erste Petruskirche erbauen ließ.

Silvester starb am 31. Dezember 335. Sein Leichnam wurde in der Priscillakatakombe an der Via Salaria Nova in Rom beigesetzt. Er wird als Heiliger verehrt und ist der erste heilige Papst, der nicht das Martyrium erlitten hat. Sein Gedächtnis wird von der griechisch-orthodoxen Kirche und der bulgarisch-orthodoxen Kirche am 2. Januar, von der russisch-orthodoxen Kirche am 15. Januar und von der römisch-katholischen an seinem Todestag, dem 31. Dezember, gefeiert. Dieser Tag wird deshalb Silvester genannt. Sein Name bedeutet: der Waldmann (lat., von silva ‚Wald‘). Silvester I. ist Patron der Haustiere; für eine gute Futterernte, ein gutes neues Jahr."



DIE GESCHICHTE DER KIRCHE IN ERLE


Bis in die graue Vorzeit, als den hier wohnenden Sachsen die christliche Botschaft mehr oder weniger freiwillig vermittelt wurde, reichen die Anfänge der Geschichte der Pfarrei St. Silvester zu Erle. Es wird davon ausgegangen, dass bereits im 9. Jahrhundert Missionare von Borken aus in der Gegend um Erle missionierten [1]. Einige Funde, die in bei Grabungen den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts getätigt wurden beweisen, dass die fränkisch-merowingischen Siedler im 5.-8. Jahrhundert, die in der Gegend um Erle heimisch und bereits missioniert waren [2]. Aber wann die erste Kapelle, Kirche und der Pfarrhof entstand, oder wer die ersten Pfarrer waren dass lässt sich heute nicht mehr ergründen, da es keinerlei Unterlagen aus dieser Zeit mehr gibt. Höchstwahrscheinlich sind sie alle in dem Jahrhundert der Glaubenswirren und des Wiedertäufertums verloren gegangen. Es wird vermutet, dass bereits im 10. Jahrhundert an der Stelle des aktuellen Kirchenbaus eine kleine Kirche aus Holz stand.  Diese Holzkirche soll um die Jahrtausendwende 999-1000 errichtet worden sein. Das Dorf Erle gehörte bis zum 12. Jahrhundert zur Pfarrei St. Martin in Raesfeld, wurde dann aber davon getrennt und zur eigenständigen Pfarrei erhoben [1][11].


St. Silvester in der Silvesternacht 2017
Foto: Christina Kölking, mit freundlicher Genehmigung.


Dazu schreibt Adolph Tibus in seinem Buch "Gründungsgeschichte der Stifter, Pfarrkirchen, Klöster und Kapellen im Bereiche des alten Bisthums Münster" von 1885 [3]:

"4. Daß die kleine Pfarre Erle Filiale von Raesfeld ist, folgt daraus, daß die Parochianen von Erle jährlich in Raesfeld zur Synode erscheinen mußten (Nünning Mspt.). Das Visitationsprotokoll vom J. 1613 sagt auch ausdrücklich: „Erle filia in Raesfeldt". Vom Bestehen der Pfarre gibt uns zwar das Register vom J. 1313 (oben S. 159) nicht die erste Kunde, sondern Erlere erscheint auch in jener dem 13. Jahrhunderte angehörenden Urkunde unter den die Hansegrafschaft der Stadt Borken bildenden Parochien. Aber die geringe Taxe von nur 1 Mark, zu welcher Erle in jenem Register abgeschätzt wurde, läßt doch annehmen, daß die Gründung der Pfarre nicht vor das 13. Jahrhundert fällt. Der Ortsname wird im Register Herlere geschrieben, darum ist es sehr wahrscheinlich, daß der im J. 1201 urkundlich genannte Ritter Fredericus de Herlon identisch ist mit dem im J. 1207 auftretenden Fredericus de Erlo, daß die in den Jahren 1246, 1256, 1259, 1270, 1281 und 1285 vorkommenden Henricus de Erlo (auch Erler), Anoldus de Erler, Liudgerus de Erlo und Bernhardus de Erlo) zu derselben Familie gehören und daß alle ihren Namen von unserm Erle herleiten. Ist dies richtig, dann wird das früh ausgestorbene Rittergeschlecht dieses Namens als Gründer der Kirche von Erle anzusehen und von demselben das Patronatsrecht über die Kirche auf die Familie von Willich vererbt sein. Bei der Visitation vom J. 1571 wird nämlich „Willich Hoiffmeister" als Patron der Kirche von Erle bezeichnet, und nach einer Urkunde vom 28. Oct. 1626 (im Erler Pfarrarchiv) war damals „Katharina Freifrau von Pallandt, verwittwete von Wylich, Frau zu Winnendall (bei Xanten), Pfandfrau zu Düringen, Erbholzrichtersche der Erler Marken und Collatrix der Kirche daselbst". Nach einer Notiz des Pfarrers Michael Spannier von Erle war diese Katharina die Wittwe von Adolph Hermann von Wilach (Wylich), der ihn als Pfarrer am 8. Oct. 1622 in seine Stelle eingeführt hat). Im J. 1643 hatte schon die Familie von Westerholt zu Lembeck das Patronatsrecht. Von dieser ging es später auf die Grafen von Merveldt über. Das Patronatsrecht wird also ein Annexum des Erbholzrichteramts der Erler Mark gewesen sein. Von ältern Nachrichten sind noch folgende zu erwähnen:

In einem Lehnregister der Grafen von Solmisse zu Ottenstein aus dem 14. Jahrh. stehen angegeben: „in den Kerspele van Erler bat grote Hach V scep. rocgen tendemate, dat lüttike Hach IX scep. rocgen und elick 4 Hellinge, 1 goes, 1 hoen, 1 schaep wannet dar is). Auf der kleinen Glocke der Kirche von Erle, die 1851 geborsten und umgegossen ist, fand sich diese Inschrift: „Catharina heit ic, den doden betrov ic, Hagel und donner breck ic. MCCCCLXIX". Der Name Catharina kommt neben dem der h. Muttergottes und des Kirchenpatrons häufig auf Glocken vor. Die alte Kirche wurde im Jahre 1560 während der Stürme der Reformation eingeäschert, dann wieder aufgebaut und im J. 1631 nach der Ostseite hin erweitert. Gegenwärtig ist ein Kirchenneubau im Werke.

Patron der Kirche zu Erle ist der h. Papst Sylvester. Wie wir schon öfters wahrgenommen, haben die Filialkirchen vielfach ein dem Patrocinium der Mutterkirche verwandtes Patrocinium gewählt. Das trifft auch hier wieder zu. St. Sylvester steht nicht blos wie St. Remigius an der Spitze einer neuen Aera der Kirchengeschichte, sondern das kirchliche Officium stellt auch ausdrücklich den h. Remigius an Tugenden dem h. Sylvester gleich. Wir finden auch nirgends so viele Kirchen zusammen, welche der allgemeinen Regel zuwider Heilige als Patrone verehren, die nicht zu den Märtyrern zählen, als in der Umgebung von Borken, Hier hat Raesfeld den h. Martinus, Erle den h. Sylvester, Ramsdorf die h. Walburgis, Weseke den h. Liudger, Rhede die h. Gudula, Stadtlohn den h. Othgerus. Da läßt es sich nicht verkennen, daß Borken mit seinem Remigius-Patrocinium auf die Wahl der Patrocinien der Nachbarkirchen Einfluß ausgeübt hat.


Uns liegen heute die Aufzeichnungen des Pfarrers Michael Spanier vor [4], dem ersten katholischen Pfarrer nach einer Reihe von sechs protestantischen und calvinistischen Pfarrern, der ab 1622 fast 40 Jahre lang als Seelsorger dahingehend gewirkt hat, das die Erler Pfarrkinder den Weg zum katholischen Glauben zurückfanden. (Siehe auch die Aufzeichnungen von Heinrich Lammersmann "Michael Spanier"). Nur ein einziges schriftliches Zeugnis von der Zeit davor ist bekannt [5], nämlich eine Glocke, auf der das Datum des Gusses mit 1469 angegeben war. (Siehe auch "Die Glocken von Erle", von H. Lammersmann.)

Deryck van Wijk, dieser Pastor wird namentlich in einer alten Urkunde als Zeuge bei der Testamentsaufsetzung des Johann von Raesfeld am 23. November 1500 erwähnt. [6]

Aus den Aufzeichnungen von Pfarrer Michael Spanier ergibt sich u.a. folgende Reihe von Pastoren von 1533 an [4]:
Jakob Brabander, er war der letzte katholische Pfarrer von Erle vor den Glaubenswirren. Er starb 1533.

Johannes Bernadi (Hardenberrich oder Hadenberg). Halbkatholischer Pfarrer von 1533-1555. Zu dessen oder zu der Zeit seines unbekannten Nachfolgers scheint das damalige Kirchengebäude abgebrannt zu sein. So schrieb es Pfarrer H. Korte 1664 in einer Kirchenrechnung.

Unbekannter Vikarius aus Dorsten. Er ging 1559 angeblich aus religiösen Gründen von Erle weg.

Johann Bocholt, genannt Johann Buchholz. Pfarrer in Erle von 1559 bis 1566. Er ging dann ins Emsland.

Philippus Raßfelt. Pfarrer von 1566 bis vermutlich 1586. Er war ein verbitterter, schlimmer Calvinist. Mit der allgemeinen Billigung der verblendeten Gemeinde zerstörte er alle drei Altäre des damaligen Kirchenbaus, verbrannte alle Heiligenbilder, alle Statuen wurden aus der Kirche verbannt, die Wandgemälde überweißt, das Tabernakel geleert. Es wurden von einem Beauftragten des Bischofs aus Münster nur noch einige protestantische Gesangbücher
und im Taufbrunnen nur Fliegen und Spinnenweben vorgefunden. Nach 20 Jahren wurde er vermutlich nach Bevergen geholt und später des Landes verwiesen.

Jakob Funke, Pfarrer von 1586 bis 1590. Von diesem wissen wir durch Michael Spanier nur, dass er aus Dorsten kam und nach 3-4 Jahren dorthin wieder zurückkehrte.

Conradus Storrich, Pfarrer von 1590-1622/'23. Heinrich Lammersmann berichtet über diesen: "Gerade dieser Pastor muß in der Gemeinde Erle viel Unheil angerichtet haben durch seine Unbeständigkeit und sein schlechtes Beispiel." Wahrscheinlich hat er wegen einem Erlass des Münsteraner Fürstbischofs Ferdinand die Gemeinde verlassen müssen und zog mit seiner Frau nach Schermbeck. Wegen seiner vielfältigen Verfehlungen soll er nach seinem Tode keine Ruhe gefunden haben und soll noch heute mit seiner Frau im Arme auf dem Wege zur Ludgeruskapelle "umgehen".

Michael Spanier, Pfarrer von 1622 bis 1659. Michael Spanier hat nach den ganzen Wirren und Glaubensirrungen die Erler wieder auf den katholischen Weg zurückgebracht und unter großen persönlichen Opfern und mit viel Engagement das damalige Kirchengebäude wieder auf Vordermann gebracht. Ausführlich berichtet Heinrich Lammersmann in seinem Aufsatz "
Michael Spanier" über diesen Pfarrer.

Heinrich Korte, Pfarrer von 1659 bis 1678. Er schrieb 1664 auf, dass "die Kirche vor Hundert und etlichen Jahren  durch eine Fewerß Brunst eingeäschert..."

Hermann Quickstert, Pfarrer von 1678 bis 1727. Er begann sofort ein Kopulationsregister zu führen, ab 1696 auch ein Taufregister. Vor allem Pfarrer Quickstert verdankt die Gemeinde St. Silvester die ersten regelmäßigen schriftlichen  Aufzeichnungen, z.B. hat er auch detaillierte Aufzeichnungen über die Kirchengüter gemacht. Er gründete auch die ersten beiden Schulgebäude.

Joseph Cumann, Pfarrer von 1727 bis 1769. Pfarrer Cumann führte das Sterberegister ein
und die Gemeinde durch den siebenjährigen Krieg und erhielt und verschönerte das damalige Gotteshaus trotz der mühseligen Umstände. Er ließ auch als erster Pfarrer die kirchlichen Ländereien vermessen und durch Grenzsteine sichern.

Joseph Anton de Weldige-Cremer, Pfarrer von 1770 bis 1814. Dieser Pfarrer führte Erle durch die schwierige Zeit der Säkularisation,  der Besatzung durch die Franzosen, dem berüchtigten "Kosakenwinter" 1813-1814. Pfarrer de Weldige-Cremer hat auch die Erler Femeiche vom kranken Kernholz befreien lassen.

Franz Lohede, Pfarrer von 1814 bis 1843. Als erstes baute Pfarrer Lohede ein dringend benötigtes größeres Schulhaus und reparierte und verschönerte das von seinem Vorgänger durch die Umstände vernachlässigte Gotteshaus.

Anton Nonhoff, Pfarrer von 1843 bis 1891. Pfarrer Nonhoff hinterließ eingehende Aufzeichnungen in der Kirchenchronik. Pfarrer Nonhoff feierte in Erle  sein silbernes, goldenes und diamantenes Pfarrjubiläum. Er war auch der Initiator der Pflanzung der Pius-Eiche [12] zu Ehren des Papstjubiläums Pius IX. In der Zeit von Pfarrer Nonhoff fällt auch der Abriss der kleinen Kirche und der Neubau des jetzigen Kirchengebäudes [13].

Peter Karthaus [7][8], Pfarrer von 1891-1927, zuvor Kaplan in Erle von 1887 bis 1891. Pfarrer Karthaus ist als u.a. wegen seiner unermüdlichen Bemühungen, das neue Gotteshaus würdig auszustatten und wegen seines selbstlosen, bescheidenden Einsatzes als Seelsorger in seiner Gemeinde in die Erler Kirchengeschichte eingegangen. Hervorzuheben ist, dass er 1923 bescheiden auf die Nennung seines Namens auf den neuen Kirchenglocken verzichtet hat und das er aus Rom eine Reliquie des hl. St. Silvester mit nach Erle brachte. Die Kaplanei an der Schermbecker Strasse wurde 1914 gebaut, ebenso der neue Friedhof 1926 eingeweiht.
Ausführlich berichtet Heinrich Lammersmann in seinem Aufsatz "Landdechant Peter Karthaus"  und "Das goldenen Priesterjubiläum des hochw. Dechant P. Karthaus" über diesen Pfarrer. Zu Ehre von Dechant Karthaus wurde in Erle eine Straße nach ihm benannt.
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Pfarrer Nonhoff Dechant Karthaus Pfarrer Grosfeld
Pfarrer Anton Nonhoff
Foto: Gemeinde St.Silvester, mit freundlicher Genehmigung von Pastor Barlage
Dechant Peter Karthaus
Foto: Gemeinde St.Silvester, mit freundlicher Genehmigung von Pastor Barlage
Pfarrer Eberhard Grosfeld
Foto: Gemeinde St.Silvester, mit freundlicher Genehmigung von Pastor Barlage
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Eberhard Grosfeld, Pfarrer von 1928 bis 1948. Unter Pfarrer Grosfeld wurde die Kirche weiter ausgestattet und auch zum ersten Mal renoviert. 1930 wurde unter der Sakristei ein Keller und für die Kirche eine Warmluftheizung angelegt. In seine Zeit in Erle fallen auch die bittersten Momente der neueren Zeit. Pfarrer Grosfeld musste miterleben, wie die Nationalsozialisten den Unterricht von Geistlichen in den Schulen und die Fronleichnamsprozession sowie sämtliche kirchliche Fahnen verbieten und alle kirchlichen Vereine auflösen ließen. Auch musste die Kirchengemeinde am 22.01.1942 die beiden größten Glocken, die ja erst von Dechant Karthaus gestiftet worden sind, zur Einschmelzung abliefern. Und er musste mit ansehen, wie am Unglückstag Erles, dem 23. März 1945, die Kirche und Teile des Dorfes durch Fliegerangriffe zerstört wurden. Dieses dramatische Ereignis wird vom Augenzeuge Gerd Buskamp [9] in seinen "Erinnerungen unter der Femeiche" geschildert.

Theodor Vortmann, Pfarrer von 1949 bis 1966. In der Zeit von Pfarrer Vortmann begann der Wiederaufbau des Kirchenbaus und auch der restliche Teil seines Priestertums in Erle ist von den Aufbauarbeiten geprägt. Neben der Kirche entstand auch das Jugendheim im Pastorat, die neue kath. Volksschule (Silvesterschule) wurde eingeweiht und der neue Silvesterkindergarten wurde gebaut. Mit dem Neubau der Sakristei wurde begonnen.


Totenbriefchen für Pastor Theodor Vortmann
Quelle: Archiv Walter Biermann, mit freundlicher Genehmigung


Hermann Schürmann, Pfarrer von 1966 bis 1992. Unter Pastor Schürmann wurde die Pfarrbücherei 1967 im damaligen Pastorat, heutigem Pfarrheim, wieder eröffnet. Ebenfalls 1967 wurde der alte Friedhof an der Silvesterstraße geschlossen und das Gelände eingeebnet. Später befand sich darauf der Bolzplatz der Erler Jugend, dann wurde auf einem Teil des Geländes mit dem Jugendhaus überbaut. Im Juni 1970 wurde die Umgestaltung der Kirche nach Plänen von Prof. Manfred Ludes aus Dorsten begonnen, zu Ostern 1971 erhielt die Kirche ihre damals sehr moderne neue Chorausstattung durch den regional sehr bekannten Künstler und Bildhauer Hermann Kunkler. 1974 wurde die neue Friedhofskapelle eingeweiht, 1977 das neue Pastorat, ebenfalls von Prof. Manfred Ludes geplant. Das alte Pastorat wurde zum Pfarr- und Jugendheim umgewidmet.

Franz-Josef Barlage, Pfarrer von 1992 bis 2010.  "Die Kirche sieht von außen aus wie ein Aussätziger". So, oder so ähnlich soll, laut dem Volksmund, der erste Eindruck des neuen Pfarrers von unserer Kirche gewesen sein, die auch in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts noch deutlich sichtbar die Spuren der Ausbesserungen der Kriegsschäden sowie den, in den Jahrzehnten seit dem Krieg, zu Erles Wahrzeichen gewordenen stumpfen Turm zeigte. Da aber noch genügend Erler die alte, neugotische Kirche kannten konnte Pastor Barlage in einer beispiellosen Aktion genügend Gelder sammeln um der Kirche innen und vor allem außen fast das alte Aussehen wiederzugeben. 1998 bekam Erle endlich wieder seinen schönen Kirchturm wieder. Das dieser höher ist als der Raesfelder haben die Erler mit Zufriedenheit zur Kenntnis genommen.  Fotos vom Richtfest finden Sie hier. Pastor Barlage war der letzte eigenständige Pfarrer der Kirchengemeinde St. Silvester Erle.
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Pfarrer Vortmann Pastor Schürmann Pfarrer Barlage
Pfarrer Theodor Vortmann
Foto: Gemeinde St.Silvester, mit freundlicher Genehmigung von Pastor Barlage
Pastor Hermann Schürmann
Foto: Gemeinde St.Silvester, mit freundlicher Genehmigung von Pastor Barlage
Pastor Franz-Josef Barlage
Foto: Gaby Eggert,
mit freundlicher Genehmigung
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DIE KATHOLISCHEN GOTTESHÄUSER IN ERLE


Geschichtlich gesichert, das heißt in Urkunden und Berichten erwähnt sind fünf Gotteshäuser [1], durch Augenzeugen bekannt sind allerdings nur vier. Natürlich wird es auch schon vorher diverse Kirchenbauten gegeben haben, aber leider hat die Zeit ihr Tuch des kollektiven Vergessens darüber gebreitet. Sehr detailliert hat als einer der letzte Augenzeugen der Heimatforscher Heinrich Lammersmann das sog. "Alte Kirchlein" in seinem Aufsatz "Das kleine Kirchlein 1550-1875" beschrieben [10].

???? bis 1550
Erwähnter, aber unbekannter Kirchenbau
1550 bis 1875
Das sog. "kleine" Kirchlein
1875 bis 1879
Die erste Notkirche während des Neubaus
1875 bis ....
Das heutige Kirchengebäude
1945 bis 1950
Die zweite Notkirche während des Wiederaufbaus

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DAS KLEINE KIRCHLEIN 1550 BIS 1875 [10]


Da Heinrich Lammersmann diese Kirche und ihre Geschichte
in seinem Aufsatz "Das keine Kirchlein 1550-1875" bereits so ausgezeichnet detailliert beschrieben hat, verzichte ich hier an dieser Stelle auf eine erneute Beschreibung und wende mich dem heutigen Gotteshaus zu.
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Die kleine Kirche in Erle

Die kleine Kirche von Erle 1550-1875
Zeichnung: Hauptlehrer Lammersmann
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DIE HEUTIGE KIRCHE 1875 BIS 1945 [1]

Bereits 1864 hat sich der damalige Pfarrer Nonhoff Gedanken darüber gemacht, wie er das Problem seiner ständig überfüllten Kirche lösen könnte. Bei den Gottesdiensten war es die Regel, das die Kirchentüren geöffnet blieben mussten, weil die Gläubigen nicht alle Platz in der Kirche fanden und teilweise auf dem Kirchplatz stehend dem Gottesdienst folgen mussten. Ein Neubau war die Lösung, doch die entbehrungsreiche damalige Zeit hat die Kassen der Kirchengemeinde geleert. Pfarrer Nonhoff wandte sich an den Münsteraner Architekten und Diözesanbaumeister Hilger Hertel der Ältere für die Anfertigung einer Skizze, eines Planes und eines Kostenvoranschlags, die Rechnung über 160 Thaler darüber mit Datum vom 20.10.1865 ist dem Kirchenarchiv noch vorhanden. Damit war aber noch keine Kirche finanziert. Also wandte sich Pfarrer Nonhoff an seinen Bischof und war bei der Beschreibung des Grundes, warum Erle eine neue Kirche bräuchte, sagen wir mal... sehr kreativ. Der eine Grund entsprach sogar der Wahrheit, das Gebäude war einfach zu klein. Aber dass die kleine Kirche auch noch baufällig war und der unmittelbare Einsturz drohe...das konnte Heinrich Lammersmann als Augenzeuge des Abbruchs wiederlegen. Zum Schluss mussten sogar die Fundamente untergraben werden um die Mauern zum Einsturz zu bringen und der Gebrauch von Pulver zur Sprengung wird erwähnt. Das lässt nicht auf eine Kirche schließen, die jeden Moment einzustürzen drohte.

 

Kommunionkärtchen 24. April 1872
Scan: Archiv Walter Biermann,
mit freundlicher Genehmigung
Titelseite Aufnahmebüchlein Herz-Jesu-Brunderschaft von 17. Januar 1898
Scan: Archiv Walter Biermann,
mit freundlicher Genehmigung

 

Innenseiten Aufnahmebüchlein Herz-Jesu-Brunderschaft von 17. Januar 1898
Scan: Archiv Walter Biermann, mit freundlicher Genehmigung

 

Es hat wohl geholfen, jedenfalls gab der Bischof von Münster, Joh. Georg, 1867 den Pfarrern seiner Diözese die Empfehlung, für den  Kirchenneubau ein Kollekte abzuhalten und deren Schäfchen eine reichliche Beteiligung an der derselben zu empfehlen. Diese Erlaubnis vorwegnehmend hatte Pfarrer Nonhoff bereits ein Jahr vorher in Dorsten 330 Kollekten-Briefe drucken und bei der Theißingschen Buchhandlung diverses Material zur schriftlichen Niederlegung der Einnahmen gekauft.

Die Mühe, die sich Pfarrer Nonhoff damit machte trug auch schon schnell Früchte, so übersandte der Dülmener Dechant Joh. Böckenhoff, ein gebürtiger Erler, 97 Thr an die Silvestergemeinde. Auch aus anderen westfälischen Gemeinden wird Kollektengeld eingetroffen sein, denn 1878 konnte Pastor Nonhoff eine Summe von Eingängen über 9000 Thr. verzeichnen. Trotzdem reichte das Geld nicht aus, so dass Nonhoff auch bei den Gläubigen im Regierungsbezirk Düsseldorf um Geld für den Kirchenneubau bat.

„Freundliche Bitte!

Die  kath.  Pfarrgemeinde  Erle,  im  Amte  Altschermbeck Kreises Recklinghausen, war genöthigt, eine neue Kirche zu bauen, weil die alte wegen Baufälligkeit mit dem Einsturze drohte. Die Pfarreingesessenen an der 897, wovon ein bedeutender Theil in der angrenzenden Bürgermeisterei Schermbeck Kreises Rees Regierungsbezirks Düsseldorf wohnt, ist arm, muß sich von dem hier geringen Tagelohn und vom Ackerbau auf einem notorisch unfruchtbaren Sandboden nähren, und ist außerdem mit vielen Schulden belastet. In gerechter Würdigung unserer traurigen Lage hatte uns deshalb vor einigen Jahren das Königl. Ober-Präsidium zu Münster eine Hauscollekte in der Provinz Westfalen bewilligt, die unter Zurechnung einer Kirchencollecte die Summe von 90000 Th!r. eingebracht.  Um den bereits angefangenen aber noch nicht vollendeten Neubau unserer Kirche vollenden zu können, ist uns von der Königl. Regierung zu Düsseldorf jetzt eine Hauskollekte in dem Regierungsbezirk Düsseldorf gewährt worden. Und so kommen wir denn, katholische Mitbürger, vertrauend auf eure Güte und Mildthätigkeit, zur euch und klopfen an eure Thüre, um euch flehentlich zu bitten, uns eine milde Gabe zu Vollendung des Baues unserer Kirche zu spenden. Wir wollen auch zu Gott, dem Vergelter alles Guten, für euch beten, damit er euch die irdische Gabe mit himmlischen Gütern reichlich belohnen wolle.

Erle, den 30. Juli 1878

Der Kirchenvorstand.
Nonhoff, Pfarrer."


Die finanzielle Lage war nach über 11 Jahren des fleißigen Sammelns wohl immer noch sehr prekär. Das lässt sich aus einer öffentlichen Versteigerung des Bauschutts des alten Kirchleins im September 1875 schließen. Doch irgendwie hat der Pfarrer es dann doch offensichtlich geschafft, die vom Baumeister Hertel veranschlagten 13.800 Thaler aufzutreiben und so konnte endlich mit dem Bau der neuen Kirche begonnen werden. Doch bevor das kleine Kirchlein abgerissen werden konnte musste natürlich für die Übergangszeit eine Notkirche her. Glücklicherweise verkaufte damals 1874 Graf Ferdinand von Merveldt eine Scheune, die Pastor Nonhoff von Erler Zimmerleuten abbrechen und wieder an ihrem neuen Platz aufstellen lies. Diese Unterfangen samt Vergrößerung der Scheune hat der Kirchengemeinde damals 391 Thr. gekostet.


Einige Nachrichten über den Neubau der Kirche zu Erle 1875 bis 1879 von Pfarrer Nonhoff aus der Kirchenchronik zu Erle, zusammengestellt von Lehrer Gramse im Heimatkalender 1954:
[14]

„Am 27. Juli 1875 wurde das letzte Hochamt in der alten Kirche gehalten zur Danksagung für die vielen von Gott darin empfangenen Gnaden und damit beim Abbruche der alten und beim Neubau der Kirche alles glücklich vonstatten gehen möchte. Am 28. Juli gegen 6 Uhr morgens gingen wir in Prozession mit dem Kreuze voran aus der alten Kirche zur Notkirche, welche auf der Pfarrweide (Wehme) mit dem Eingang an der Püttstegge erbauet war. Dort angekommen ging ich mit Kaplan Segbers und Küster hinein und nahm die Benediction derselben vor. Danach wurde das Sanctissimum aus der alten Kirche unter dem Geläute der Glocken feierlich abgeholt und mit dem Ciborium in die Notkirche gebracht und wurde das erste Hochamt in der Kirche gehalten. Am 10. August begann der Maurermeister Bernhard Koch aus Dorsten mit seinen Arbeitern mit dem Abbruch der alten Kirche. Er wurde nach 7 bis 8 Wochen damit fertig. Mit den Grundmauern des Turmes an der Nordseite ist am 8. Oktober der erste Anfang zum Neubau gemacht, nachdem zuvor mor
gens eine Messe gelesen und Gottes Hilfe beim Kirchenbau erfleht wurde. Auf Wunsch des Maurermeisters wurde vom Pastor, Kaplan Segbers, Johann Brandt, vom Rendanten Johann Böckenhoff und vom Vorsteller Franz Koch in verschiedenen Ecken ein Grundstein gelegt. Darauf begann die weitere Arbeit. Die Maurerarbeit mußte zu zwei Malen auf längere Zeit sistiert werden, weil es an Ziegelsteinen mangelte.

Anfang August 1877 war die Mauer der Kirche und des Chores bis zur Höhe des Dachstuhles fertig, auch im Innern die steinernen Pfeiler mit Überbrückung. Die Ziegelsteine zum Bau unserer Kirche sind, mit Ausnahme der Formsteine, auf der Pastoratsweide von hiesigen Arbeitern (Heinrich Klaus, Eberhard Demmer, Johann Wewers und Hermann Gülker) unter Leitung meines Kaplans Segbers gebrannt worden.

Das war für unseren Bau von ungemein großem Nutzen, nicht allein weil wir die Ziegelsteine ganz in der Nähe der Baustelle hatten, sondern weil wir die Ziegel so billig hatten; die 1000 Stück zu ungefähr 5 Taler (15Mark). Nun kam wieder zu unserem größten Leidwesen ein Stillstand von 10 bis 11 Wochen, weil der Zimmermeister J. Terwey aus Raesfeld seine Arbeit noch nicht fertig hatte, um das Kirchendach aufführen zu können.

Erst am 14. Oktober 1877 hat er mit der Aufstellung des Dachstuhles begonnen. Mit öfterer, bald längerer Unterbrechung wurde fortgebaut, bis endlich im Oktober 1879 Kirche und Sakristei im Rohen fertiggestellt und vom Schieferdeckermeister Bernh. Knoop zu Raesfeld unter Dach gebracht war. Der Turm war aufgeführt bis einige Fuß über die Dachfirst der Kirche. Nun wurde im November 1879 im Innern der Fußboden der Kirche und des Chores planiert, mit Ziegelsteinen provisorisch belebt, die Sakristei beflurt, die Fenster vorläufig mit weißem Glase (Bernhard Mütter und seine Gehilfen) verglaset, die beiden Türen an der Kirche nach Nord und Süd und an der Öffnung von der Kirche zum Turme vermauert. Alles dies geschah mit einer noch nie dagewesenen Tätigkeit und Ausdauer, um noch im Dezember 1879 den Gottesdienst aus der Notkirche in die neue verlegen zu können, wonach alle so sehnlichst verlangten. Nach 4 Jahren und 3 Monaten, am 3. Dezember 1879, las ich ganz frühzeitig die hl. Messe in der Notkirche, und bald darauf wurde der Altar abgetragen und in der neuen Kirche wieder aufgestellt. Abends war lange anhaltendes feierliches Geläute, Ehrenbögen wurden errichtet, die Häuser beflaggt, kurz, alles mögliche getan zur Verherrlichung des Freudenfestes. Da wegen des Kulturkampfes unser hochw. Herr Bischof Johann Bernard außer seiner Diözese in der Verbannung sich befand, so konnte unsere Kirche nicht eingeweiht werden. Der Herr Landdechant Bröring aus Dorsten hat nach erhaltener bischöflicher Vollmacht die Benediction vorgenommen. Es war aber am Benedictionsfeste, dem 4. Dezember 1879, so grimmig kalt und ein heftiger Ostwind schnitt so empfindlich, daß es fast bei der Prozession und bei der Vornahme der Zeremonien außer der Kirche nicht zum Aushalten war. Es sind auch nur wenige der eingeladenen Herrn Geistlichen und sonstige Herren herübergekommen zur Beiwohnung des Festes. Das Mittagessen war in der Pastorat und waren zugegen:

Röhring, Landdechant; Pastor Eilers, Altschermbeck; Pastor Verspohl, Wulfen; Pastor Besseling, Holthausen; Dechant Böckenhoff, Dülmen; Pastor Riswik, Marienthai; Kaplan Segbers und Pfarrer Nonhoff und Baumeister Hertel zu Münster.

Die Möbel aus der Notkirche, die Kanzel, Bänke, Kommunionbank, Taufstein etc. wurden an den beiden folgenden Werktagen wieder in die neue Kirche gebracht. Die Notkirche wurde zum Abbruch für 230 Taler verkauft. Die Kirchensitze, welche in der Notkirche verpachtet waren, sind auch in der neuen Kirche zum Besten des Neubaues wieder verpachtet worden und bringen jährlich ein nettes Sümmchen von 250 Talern ein.

Der Fortbau des Turmes ist gegen Ende April 1880 wieder begonnen worden, und man hofft, mit Ende September damit fertig zu werden. Maurermeister Koch hatte aber schon in der zweiten Woche des Septembers den Turm so weit aufgeführt, daß die 1. Balkenlage zum Dachstuhle der Turmspitze begonnen wurde. In der letzten Woche des Septembers 1880 begann Terwey mit der Aufstellung des Turmdachstuhles, nachdem zuvor eine hl. Messe gelesen wurde, daß Gott bei dieser so schwierigen und gefährlichen Arbeit vor Unglück bewahren wolle. Nach ungefähr 14 Tagen war das Werk glücklich zustande gebracht und am 16. Oktober, Tages vor dem Kirchweihfest, wurde von Bernh. Knoop das große eiserne Kreuz mit seinem vergoldeten Hahn auf dem schlanken Turm befestigt. Gott sei Dank, daß alles ohne das geringste Unglück so gut zustande gekommen ist! Die Bedachung des Turmes ist aber erst im April 1881 ganz vollendet worden."


Zu diesem Bericht aus der Chronik habe ich von alten Erler Bürgern, deren frühe Kindheit noch in die Zeit des Kirchenneubaues fiel, und aus anderer mündlicher Überlieferung interessante Einzelheiten in Erfahrung bringen können.

Die von Pfarrer Nonhoff in seinem Bericht erwähnte „Püttstegge", an der die Notkirche stand, ist ein alter Fußpfad gewesen, der von Heßling-Rohane zum Dorfpütt führte. An seiner Stelle ist dann später das letzte Stück der Schermbecker Straße gebaut worden. Von der Püttstegge führte eine Allee schwerer Eichen zur Wehme. Hier wurde ein provisorischer Glockenstuhl neben der Notkirche errichtet. Während der Bauzeit wurden dann die Eichen gefällt und ihr Holz zur Aufführung des neuen Glockenstuhles verwendet.

Der Feldbrand der Ziegelsteine wurde auf der Wehme, einem kircheneigenen Wiesengrundstück, vorgenommen. Da der Dorfkern auf einem Sand-Lehm- Flachhügel erbaut ist, hatte man das Material für die Steine gleich zur Hand. Im südlichen Teil der Wehme wurde aus einer damals angelegten Grube der Lehm für den Feldbrand entnommen. Noch heute ist nördlich der Marienthaler Straße bei dem Haus des Schneidermeisters Schwane eine erhebliche Bodenvertiefung erkennbar. Den vier im Bericht erwähnten Helfern unter der Leitung von Kaplan Segbers standen Fachkräfte aus dem „Ziegelbäck
erländchen" Lippe zur Seite. Der Vertrag mit dem Steinbrenner befindet sich im Pfarrarchiv. [...]

Der alte Marienaltar vor der "Frauenseite"Es waren Saisonziegelarbeiter, wie sie damals im Münsterland allenthalben anzutreffen waren. Die Ziegelbäcker waren mit dem Formen der Ziegel beschäftigt. An Schlagtischen, ähnlich wie sie heute noch die Siedler beim Eigenheimbau zur Herstellung von Schlackensteinen benutzen, wurden die Lehmziegel geformt und dann zum Trocknen gestapelt. Als Wetterschutz diente eine Strohabdeckung. Zum Brennen wurden die Ziegel zu 4 m breiten, nach oben schmaler werdenden Reihen zusammengesetzt. Zwischen den Ziegeln blieb ein 1-2 cm breiter Raum frei. Am Boden der Reihen wurden einige Feuergassen freigelassen. Feuchter Lehm dichtete das Ganze nach außen ab. Nun konnte der Brand beginnen. Als Heizmaterial verwendete man Holz. Der Brand dauerte 10-14 Tage, also erheblich länger als heute im Ziegelofen. Dieses an sich umständliche und von Witterungseinflüssen abhängige Feldbrandverfahren hat dann wohl auch die Bauzeit der Kirche erheblich verlängert. Mehrmals auch geriet die Kirchengemeinde in Geldschwierigkeiten während des Baues, so daß auch hierdurch Verzögerungen eintraten. Außer den erheblichen geldlichen Opfern der Gemeinde und zahlreichen Geldspenden einzelner Wohltäter wurde zur Finanzierung des Neubaues mit Genehmigung der (damals) Königlichen Oberpräsidien zu Münster und Düsseldorf in den beiden Regierungsbezirken eine Hauskollekte abgehalten. Diese brachte allein im Regierungsbezirk Münster 9000 Taler (27000 Mark). Trotzdem aber blieb nach der Beendigung des Baues noch eine erhebliche Schuldsumme zurück, die erst im Laufe der späteren Jahre abgetragen wurde.

Nun hatten die Erle ihre neue, geräumige und schöne Kirche. Leider war man wegen der nicht gerade gesicherten Finanzierung und der Tatsache, das nach dem Bau der Kirche immer noch immense Schulden auf der Gemeinde lasteten, in der Lage die Kirche von innen auch würdig und genauso schön auszustatten. Pfarrer Nonhoff schrieb dazu in seinen Aufzeichnungen:


Als wir am 3. Dezember 1879 in unsere neu erbaute Kirche einzogen und das erste Hochamt am folgenden Tage nach der Einsegnung derselben darin gehalten wurde, sah es im Innern noch recht armselig, leer und notdürftig aus. Aber was machen? An neue Möbel und Verschönerung im Innern des Gotteshauses war noch nicht zu denken, da das Geld fehlte und die Bauschulden noch nicht gedeckt waren. Wir mußten bei der inneren Verschönerung Geduld haben und auf müde und freigebige Herzen vertrauen. Diese haben wir auch mit der Zeit recht viele gefunden.

1. Der Herr Pastor H. Schmilz in Heek, mein erster Kaplan in Erle, hat das bunte Fenster im Seitenschiffe nach Süden, Tapetenmuster, das erste, geschenkt.
2. Der Uhrmacher W. Nonhoff in Münster, mein Vetter, und Mina Nonhoff, Haushälterin bei mir, haben das gemalte Chorfenster, Darstellung die Geburt Christi, geschenkt. Diese Glasfenster sind die ersten und vom Glasmaler Viktor von der Forst gemacht und vom 6. - 9. Febr. 1880 eingesetzt. Ihm sind auch die übrigen Glasfenster übertragen. Hier bemerke ich, daß im Chore die gemalten Glasfenster den freudenreichen Rosenkranz bildlich darstellen werden.
3. Den Beichtstuhl an der Nordseite mit dem gepolsterten Sitzkasten hat die Pfarrgemeinde bei der Feier meines 50 jährigen Priester-Jubiläums am 16.12.1880 geschenkt.
4. Der eiserne Kronleuchter ist von dem Schmiedemeister in Münster gemacht und polychromiert. Die Zeichnung ist von Hertel. Der Kronleuchter ist ebenfalls ein Geschenk von der Pfarrgemeinde.
5. Von Franz Krampe gt. Nienhaus in der Westrick sind die zwei bunteil Glasfenster im Langschiffe nach Süden.
6. Das kleinere über der Kirchentüre ist von der Wwe. Hoppe in Üfte Kirchspiel Altschermbeck.
7. Vom Herrn Stadtdechanten Johann Böckenhoff zu Dülmen, gebürtig aus Erle, sind geschenkt die beiden ersten bunten Glasfenster im Langschiffe nach Norden.
8. Das kleinere über der Kirchentüre nach Norden ist von meiner früheren jetzt verstorbenen Dienstmagd Fina Klaus.
9. Das darauf folgende Glasfenster nach Norden ist gestiftet von einer Dienstmagd Mina Rademacher in Raesfeld, gebürtig aus Erle.
10. Nach Süden im Langschiffe das vierte große Glasfenster ist aus Beiträgen an Geld in Erle zusammengebracht worden.


Der alte Kirchturm im Schnee
Foto: Holger Steffe, Dorstener Zeitung, mit freundlicher Genehmigung.
Quelle:
Archiv Walter Biermann, mit freundlicher Genehmigung


Als die Pfarrkinder sahen, wie das gewöhnliche Glas aus dem einen nach dem anderen Fenster herausgenommen und neu mit Tapetenmustern wieder eingesetzt wurde, freuten sie sich nicht wenig; es kam immer mehr Lust, auch etwas zur Verschönerung im Innern der Kirche zu geben, und die Bitte und Aufmunterung dazu fand Eingang und geneigte Herzen.


11. Den zweiten neuen Beichtstuhl nach Süden, vom Schreinermeister H. Heidermann zu Erle gemacht, hat der Zeller H. Schneemann in Westrick geschenkt.
12. Der Muttergottes-Altar in dem Seitenschiffe nach Norden ist ein Geschenk von dem Ziegelbrenner Xaver Menting in Overbeck Erle.
13. Der schöne Kreuzweg nach Zeichnung des Prof. Klein in Münster ist ein Geschenk von dem Brennereibesitzer Gerhard Böckenhoff in der Östrick.
14. Die Kommunionbank in Stein nach Zeichnung des Arch. Hertel in Münster ist ein schönes Geschenk des Kornhändlers H. Rossmann in Lembeck, Schwiegersohn des zuvor genannten Gerhard Böckenhoff.
15. Die beiden gemalten Fenster auch dem Chore, das zweite und dritte Gesetz aus dem freudenreichen Rosenkränze, sind ein herrliches Geschenk, und zwar das dritte Gesetz von Hermann Brömmel, Besitzer der Kolonats Schäper auf dem Wall, das zweite Gesetz von dem Zeller Joh. Pontsmann in Östrick.
16. Von dem seligen Gastwirt Joh. Böckenhoff und dessen Erben, die Geschwister Joseph und Elisabeth im Dorfe Erle, wird unsere Kirche eine neue schöne Kanzel noch bald zum Geschenk erhalten.
17. Der Wwr. Anton Nienhaus genannt Kiffmann und sein Schwiegersohn Heinrich Schwane genannt Kiffmann, schenken den zweiten Seitenaltar nach Süden, die Zeichnung dazu ist von Hertel gemacht und schon dem Schreinermeister Heinrich Heidermann  hier in Arbeit gegeben.
18. Auch darf ich hier nicht vergessen den unverehelichten Schulte in Holland, aber gebürtig aus Erle, der seit mehreren Jahren alljährlich nach Erle kam, mich dann auch besuchte, und jedesmal für meine Kirche etwas mitbrachte, bald Geld, dann ein Altartuch oder Kommuniontuch, und vor drei Jahren brachte er mir von Holland gar eine wertvolle silberne Monstranz. Dank diesem guten Schenkgeber! Jetzt ist er seit langer Zeit nicht mehr hier gewesen - ob er vielleicht krank ist, habe ich nicht erfahren können.

        
Die Aufzeichnungen hierzu schließen mit einer Aufzählung weiterer Geldgeschenke.

Eine andere Quelle zum Thema "Ausstattung der neuen Kirche" liefert das Buch "Geschichte des Dorfes Erle und seiner Eiche", das Professor Dr. Weskamp Anfang des 20. Jahrhunderts veröffentlicht hat. Er schreibt dazu folgendes
[15]:

„Am 19. Oktober 1887 wurde die Kirche durch den Weihbischof Kramer konsekriert. Die Mittel für die Ausstattung der neuen Kirche wurden durch fromme Schenkungen aufgebracht. Der Hauptaltar kostete 2400 Mark. Die Chorfenster, welche die Rosenkranzkönigin und die Geheimnisse des freudenreichen Rosenkranzes darstellen, wurden 1890-91 eingesetzt. Der Herz-Jesu Altar wurde 1888 nach einer Zeichnung des Architekten Hertel von Heidermann in Erle angefertigt; die Statuen auf demselben sind vom Bildhauer Schmiemann zu Münster. Der Aufsatz auf dem Muttergottesaltare und die Kanzel gingen hervor aus der Werkstatt von Röttger zu Velen. Der Taufbrunnen und das Muttergottesbild wurden von Hertel geliefert, das Bild der Mutter Anna, der hl. Agnes und die Prozessionsstation mit dem Bilde der schmerzhaften Mutter vom Bildhauer Bolle. Am 8. Dezember 1894 wurde bei Gelegenheit der Mission das Bild von der immerwährenden Hilfe aufgestellt. Für Instandsetzung der Paramente sorgte auch jetzt wieder an erster Stelle die gräfliche Familie von Merveldt. Für die Rosenkranzbruderschaft wurde 1896 eine Fahne geschenkt (Preis 300 Mark). 1898 eine St. Anna Fahne (Preis 425 Mark) für den Mütterverein; 1889 wurde die blaue, 1897 die rote Sodalenfahne angeschafft (Preis 450 und 285 Mark). Das 1892 aus der Nachlassenschaft von Frau Heßling geborene Stegerhoff angeschaffte Prozessionskreuz kostete 550 Mark. Von der Beschaffung der neuen Orgel im Jahre 1890 war schon oben die Rede. 1896 wurde die Kirche durch Schräder aus Münster bemalt; die Unkosten betrugen 4000 Mark."
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Blick auf den Chor der Kirche vor der Zerstörung

Foto: Gemeinde St.Silvester,
mit freundlicher Genehmigung von Pastor Barlage
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Für die Zeit danach ist zu erwähnen, das der Nachfolger Pfarrer Nonhoff, Dechant Peter Karthaus unermüdlich die Ausschmückung [7] und Einrichtung der Kirche vorantrieb und 1923 trotz der allgemein wirtschaftlich schlechten Lage nach dem 1. Weltkrieg auch drei neue Glocken installieren lies [5]. Auch wurde die heute noch stehende Kaplanei an der Schermbecker Straße erbaut. Ausführlich berichtet Heinrich Lammersmann in seinem Aufsätzen "Landdechant Peter Karthaus" und "Die Glocken von Erle" darüber. Dessen Nachfolger Pfarrer Grosfeld schloss die Erstausstattung weitgehend ab, aber es mussten bereits Renovierungsarbeiten durchgeführt werden. 1930 kam der Sakristeikeller und eine Warmluftheizung hinzu [1].
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1942: Diie alten Glocken werden vom Turm herabgelassen

22.01.1942: Zwangsabgabe der alten Glocken: Abseilung aus dem Turm
Foto:  "Querbeet", Heimatverein Erle e.V.

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Die erste Tragödie für die Kirchengemeinde war, als sie 1942 die beiden größten Glocken, die ja erst 1923 angeschafft worden waren, zu Einschmelzung geben mussten. Die zweite Tragödie war gleichzeitig auch der schwarze Tag in der Gemeinde Erle.
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1942: Diie alten Glocken vor dem Turm

22.01.1942: Zwangsabgabe der alten Glocken
Foto:  "Querbeet", Heimatverein Erle e.V.

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DIE KIRCHE 1945 BIS 1950

Wie allen Erlern bekannt sein dürfte, ist das Dorf während des 2. Weltkrieges zunächst weitgehend von Schäden an Leib und Sachen verschont geblieben. Kurz vor Ende des Krieges, am 23. März, änderte sich das aber grundlegend. In Vorbereitung auf die "Operation Varsity" (Die Alliierten haben in Wesel durch Luftlandetruppen einen Brückenkopf hergestellt, den Rhein überquert und sind dann Richtung Ostsee vorgestoßen, mehr Infos dazu hier), die die Alliierten auch durch Erle geführt hat wurde gezielte schwere Bomben- und Tieffliegerangriffe heimgesucht, die dem militärischen Beobachtungs- und Funkposten auf dem Kirchturm galten. Spreng- und Brandbomben zerstörten die meisten Häuser im Dorfkern rund um den Kirchturm, der dann später, in Brand geschossen, zusammenbrach und die Kirche zum größten Teil zerstörte.

Pastor Grosfeld erinnert sich daran in der Pfarrchronik
[1]:

"Der 23. März war wohl der größte Unglückstag für Erle. An diesem Tage des Morgens gegen l0.00 Uhr erfolgte ein furchtbarer Fliegerangriff auf Erle, wohl dadurch hervorgerufen, daß unsere Soldaten, die hier einquartiert waren, ununterbrochen mit Maschinengewehren auf die feindlichen Flugzeuge schossen. Durch diesen Fliegerangriff wurde der Ort zum großen Teil und die Kirche fast ganz zerstört. Als ich nach dem Angriff aus meinem Luftschutzkeller kam, sah ich zu meinem Schrecken , daß der Dachstuhl des Kirchenschiffes fortgerissen war, glaubte aber zuerst, daß die Kirche selbst weiter keinen Schaden gelitten hätte. Ich konnte noch nicht sofort hingehen, weil ich dringend zum Hauptlehrer Sagemüller gerufen wurde, der tötlich getroffen an seiner Wohnung lag, und ebenso zu Regina Henneböhl, die sterbend auf der Chaussee lag. Nachdem ich beide versehen hatte, begab ich mich sofort zur Kirche, und da sah ich zu meinem tiefsten Entsetzen, den Greuel der Verwüstung an heiliger Stätte. Die Bomben hatten das Gewölbe zum Einsturz gebracht, alles unter sich begrabend und verwüstend. Ein Menschenleben war Gott Dank nicht zu beklagen. Mein erster Gedanke war „das Sakrament", das ich aus dem noch heilgebliebenen Hochaltar nahm und zur Pastorrat brachte. Dann begab ich mich an die Rettung der noch heilgebliebenen Sachen, zuerst mit meiner Haushälterin Lina Postmeier allein - die Leute waren zum Teil in die Bauerschaft geflohen, zum Teil hielt sie noch die Furcht in den Luftschutzkellern. Doch bald kamen noch andere, und so konnte bis zum Abend alles, was heilgeblieben war, aus der Kirche gerettet werden: die kirchlichen Gefäße und Gewänder, die heiligen Figuren, die glücklicherweise unbeschädigt geblieben waren, und den Muttergottesaltar. Zu gleicher Zeit (bei dem Angriff waren auch Brandbomben gefallen) hatte aber auch der Turm Feuer gefangen, und da an eine Rettung nicht gedacht werden konnte, brannte er vollständig aus. Die Glocke, die Orgel und die beiden Beichtstühle fielen dem Feuer zum Opfer.

Mit Tränen in den Augen sahen wir diese unsere schöne Pfarrkirche in Trümmer sinken - ein harter Schlag für die Gemeinde, aber wir haben uns unter den Willen Gottes gebeugt und mit Job gesprochen: „ Der Herr hat es gegeben, der Herr hat es genommen, der Name des Herrn sei gebenedeit." Nun hieß es, einen geeigneten Raum für die Abhaltung des Gottesdienstes herzustellen. Zuerst stellte ich dazu mein Wohnzimmer in der Pastorat zur Verfügung. Hier und in den anstoßenden Zimmern konnten die Besucher des Gottesdienstes, wenn auch etwas gedrängt, hinein und Platz finden, sie waren wenigstens gegen Wind und Wetter geschützt. Einige Wochen später siedelten wir in das Pfarrheim über. Doch für die Dauer war das nichts, so sahen wir uns gezwungen, uns nach einem anderen Raum umzusehen. Nach längerem Hin und Her entschlossen wir uns, eine Notkirche zu bauen. Zum Glück hatte ich sofort nach Beendigung des Krieges auf Anraten von Johann Ebbert vier Militärbaracken, die auf dem Hof von Böckenhoff-Greving standen, gesichert, und als nun der Bauer Heinrich Kruse in hochherziger Weise das Material einer Scheune, die er bauen wollte, zur Verfügung stellte, konnte der Bau der Notkirche beginnen. Die Leitung übertrug ich dem Schreinermeister Alois Berger, der seine Aufgabe in glänzender Weise löste. Er entwarf einen Plan, der alle Wünsche restlos befriedigte. Es halfen ihm dabei die übrigen Schreiner der Gemeinde: Fritz Heidermann, Wilhelm Siemen, Joseph Heßling, Bernhard Hörnemann. Die Maurerarbeiten lieferte E. Demmer, ihm halfen Heinrich Limberg, Lambert Stevens. Alle, die nur eben konnten, halfen mit. Heinrich Sondermann lieferte den nötigen Sand. Sogar der alte Risthaus schaufelte mit seinen 83 Jahren noch den erforderlichen Kies aus seiner Kiesgrube. Am 15. August wurde von mir der erste Spatenstich für die Grundmauern getan, und am 15. September war der Bau soweit, daß das Richtfest gehalten werden konnte. Die ganze männliche Jugend von Westrich und Overbeck war angetreten, um beim Richten zu helfen. Nun ging es an die Innenausstattung.
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Notkirche mit zerstörtem Turm 1945

  
Der zerstörte Turm kurz nach Beginn des Wiederaufbaus
Notkirche auf der Wehme, im Hintergrund der zerstörte Turm. daneben die Kaplanei
Foto: Gemeinde St.Silvester,
mit freundlicher Genehmigung von Pastor Barlage

Der zerstörte Turm kurz nach dem Beginn des Wiederaufbaus
Foto: Heimatverein Erle
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Ich ließ den Hochaltar von der Pfarrkirche in die Notkirche übertragen, ein schweres Stück Arbeit. Dann wurde der Fußboden gelegt. In Ermangelung des erforderlichen Zementes musste er leider aus Backsteinen hergestellt werden. Dachziegel schenkte in dankenswerter Weise der Ziegeleibesitzer Wilhelm Menting. Auch zwei kleine Glocken konnten wir im Türmchen der Kirche aufhängen, und so konnten wir an 28. Oktober, am Christkönigsfeste, unseren feierlichen Einzug in die neue Kirche halten. Des Morgens um 1/2 10.00 Uhr brachten wir in feierlicher Prozession das heiligste Sakrament vom Pfarrheim in die Kirche, worauf ich sie für ihre Bestimmung einweihte. Darauf hielt ich das erste Levitenhochamt, wobei mir der Pater Gerold und Kaplan Lohmann assistierten. Die Festpredigt hielt in glänzender Weise Pater Gerold aus dem Franziskanerkloster Dorsten. Die Freude über das vollendete Werk war allgemein, die besonders zum Ausdruck kam in dem Schlußlied „Großer Gott" das wohl nie so kräftig und begeistert aus den Herzen aller Festteilnehmer zum Himmel stieg wie an diesem Morgen. Zu Weihnachten erhielt die Notkirche einen neuen Beichtstuhl, der von Schreinermeister Alois Berger verfertigt wurde, und eine neue Kanzel, verfertigt vom Schreinermeister Fritz Heidermann [...] Im Winter 1947 - 1948 fand sich ein gütiger Stifter für einen Ofen in der Notkirche. Auch wurde das Heizmaterial geliefert, um nicht zu sehr in der Notkirche zu frieren [...]" 

Einen eindrucksvollen Augenzeugenbericht liefert uns Gerd Buskamp, der kurz vor der Zerstörung der Kirche dort noch Erstkommunionsunterricht hatte und nur durch schieres Glück hatte Pastor Grosfeld die Kinder eine Stunde früher nach Hause geschickt. Hier gelangen Sie zu den Erinnerungen von Gerd Buskamp [9].

Pastor Grosfeld starb am 10. Dezember 1948 und konnte das Ende des Wiederaufbaus der Hauptkirche nicht mehr miterleben. Sein Nachfolger Pastor Vortmann schrieb über die Einweihung der restaurierten Kirche am 15.10.1950 in der Pfarrchronik
[1]:

"Der 15. Oktober 1950 war für die Pfarrgemeinde Erle ein besonderer Freudentag dadurch, daß die durch Kriegseinwirkung zerstörte Kirche wieder ihrer Bestimmung übergeben werden konnte. Die feierliche Konsekration des Hochaltares nahm der hochwürdige Herr Weihbischof Roleff vor. [...] Gegen 11.00 Uhr feierte Pfarrer Vortmann das erste feierliche Hochamt unter Pontificalassistenz an dem neugeweihten Altare. [...] In seiner Ansprache bat der Herr Weihbischof die Gläubigen, das so herrlich neuerstandene Gotteshaus eifrig zu besuchen und zu einer Stätte des Gebetes zu machen. Nachmittags um 1/2 4 Uhr wurde das Allerheiligste in feierlicher Prozession von der Notkirche in die alte Kirche übertragen."

Nach fast fünf Jahren hatte die Notkirche ihren Dienst erfüllt. Die "Dorstener Zeitung" schrieb einen Artikel über die Einweihung der Kirche am 15. Oktober 1950
[1]:

„Gieße aus Deinen Segen über dieses Haus!                    

Feierliche Einweihung der wiederaufgebauten St. Silvester Pfarrkirche in Erle durch Weihbischof Roleff Münster am 15. Oktober 1950. Der gestrige Sonntag war für die Gemeinde Erle ein Tag besonderer Freude. In ihren Mauern weilte der hochw. Herr Weihbischof Roleff Münster, um die feierliche Altarweihe ihrer durch Kriegseinwirkung zerstörten, aber nach jahrelanger und unter schweren Opfern wieder aufgebauten Pfarrkirche vorzunehmen.
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Der Innenraum der wiederaufgebauten Kirche am Tage der Einweihung
Der Innenraum der wiederaufgebauten Kirche am Tage der Einweihung
Foto: Gemeinde St.Silvester, mit freundlicher Genehmigung von Pastor Barlage
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Die Straßen des Dorfes prangten im Flaggenschmuck. Grüne Ehrenbögen, mit den letzten Blumen des Herbstes geziert, waren errichtet worden. Besonders schön geschmückt war der Zugang zum Pastorat, wo der hochw. Herr Wohnung genommen hatte. Aber nicht weniger fleißig waren die Ausschmücker der wiedererstandenen Pfarrkirche gewesen. Grüne Girlanden wanden sich von Säule zu Säule und zogen sich über dem Opfertisch zum Gewölbe empor. Der freie Platz an der Pfarrkirche war ziemlich gesäubert und mit frischem gelbem Kies belegt. Er machte selbst in seiner Einfachheit einen sauberen Eindruck, eine Visitenkarte der ganzen Gemeinde.
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Die wiederaufgebaute Kriche mit dem stumpfen Turm gleich nach dem Kriege
Die wiederaufgebaute Kirche mit dem stumpfen Turm gleich nach dem Kriege
Foto: unbekannt
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Am Samstagnachmittag, während noch die Plattenleger der Fa. Krüskemper, Dorsten, sich um die Fertigstellung der letzten Arbeiten am Chorraum bemühten, zogen die Reiter und Radfahrer bereits aus, um den hochw. Herrn Weihbischof einzuholen. An der Grenze zwischen Rhade und Erle bildete der stattliche Zug Spalier. Die Reiter mit blau-weißen Schärpen und der weißen Jockeymütze angetan und die Radfahrer mit ihren bunt geschmückten Rädern. Um 16.20 Uhr trafen zwei Autos mit dem Erwarteten ein. Ortsbürgermeister Lammersmann in Begleitung seines Stellvertreters Röckinghausen hieß den hochw. Herrn im Namen der politischen Gemeinde herzlich willkommen. Nach einem Dankeswort des Weihbischofs ging dieser die Reihen der spalierbildenden Reiter und Radfahrer durch und dankte allen herzlich für den schönen Empfang. Dabei übersah er auch nicht den Verkehrsbeamten, mit dem er sich kurze Zeit unterhielt und ihm Dank sagte für seine Mühen. Darauf setzte sich der lange Zug zum Dorf hin in Bewegung. Am Eingang des Dorfes harrte Pfarrer Vortmann mit seinen Pfarrangehörigen der Ankunft des Oberhirten entgegen. Unter dem Empfangsbogen am Anfang der Rhader Landstraße entstieg dieser mit seiner Begleitung dem Wagen. Nach der Begrüßung durch Pfarrer Vortmann und den Kirchenvorstand wurde der Oberhirte in langer Prozession durch die geschmückten Straßen zum Pastorat geleitet.

Am Sonntagmorgen, um 8.45 Uhr, nahm die feierliche Einweihung mit der Abholung des hochw. Herrn Weihbischofs aus dem Pfarrhause seinen Anfang. Meßdiener, Engelchen, die kirchlichen Fahnen, Kirchenvorstand, Kirchenchor und die mitwirkenden Priester geleiteten den Oberhirten zur Notkirche. Nach dem Gebet der sieben Bußpsalmen vor den Reliquien, die von dem Oberhirten mitgebracht waren, zogen die Gläubigen in Prozession zur Altarweihe in die neue Kirche. Die kirchlichen Zeremonien der Altarweihe dauerten bis gegen 11 Uhr. Dann wurde nach 5 1/2 Jahren wieder zum erstenmal in der St.-Silvester-Pfarrkirche das hl. Opfer mit Pontifikalassistenz gefeiert. Bei der feierlichen Handlung sang der Kirchenchor unter Leitung von Lehrer Backenecker die vierstimmige Messe für gemischten Chor mit Orgelbegleitung von Karl Kraft.

Um 16.00 Uhr wurde dann in feierlicher Prozession das Allerheiligste aus der Notkirche zur Pfarrkirche gebracht. Auch hierbei trug der Kirchenchor durch mehrstimmige Gesänge wesentlich zu Erbauung der Gläubigen bei. Die anschließende Dankandacht beschloß den für die Erler Pfarrkinder so bedeutungsvollen Tag. Wir aber möchten unseren Bericht mit dem Wunsche schließen: „Gieße aus Deinen Segen über dieses Haus, Herr!"
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1952: Die Glocken kommen nach Erle zurück

09.05.1951: Heinrich Limberg hat die neuen Glocken gebracht
Foto:  "Querbeet", Heimatverein Erle e.V.
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DIE KIRCHE 1950 BIS HEUTE

Die Kriegsfolgen sah man trotz Instandsetzung lange Zeit an. Deutlich stachen die ausgebesserten Stellen der Fassade ins Auge, die Fenster waren von recht einfacher Machart. Am Auffälligsten aber war der Turm, der sein komplettes neugotisches Aussehen verloren hatte und anstatt des hohen Turmhelms nun nur noch ein stumpfes Zeltdach, gedeckt mit roten Dachziegeln, trug. Der Innenraum war allem baulichen Schmuck beraubt, das Gewölbe wurde durch flache, weiß gestrichene Akustikdecken ersetzt, die Wände waren einheitlich weiß gestrichen, die Säulen  ebenfalls, im unteren Bereich hellgrau gehalten.
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Blick auf den Chor

   

Blick auf den "Turm"

Blick auf den Chorraum
Foto: Reinhard G. Nießing, mit freundlicher Genehmigung

Blick auf den "Turm" und die Orgelbühne
Foto: Reinhard G. Nießing, mit freundlicher Genehmigung
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Am 09.05.1951 trafen dann endlich auch die drei neuen Glocken ein, diesmal im Bochumer Gußstahlwerk gegossen. Ein Jahr und zwei Monate später konnte dann die neue, mit 20 Register versehene Kirchenorgel eingeweiht werden. 1954 bekommt die Kirche einen neuen Fußboden. Zehn Jahre später wurde die Kirche von innen neu gestrichen, bekam drei neue Chorfenster und ein neuer Tabernakel. Mit dem Bau der neuen Sakristei wurde begonnen. Im Juni 1970 begannen die Umarbeiten des Kircheninnenraums unter der Planung des Dorstener Architekten Prof. Manfred Ludes. Ein Jahr später wird im Chorraum der neue, für damalige Zeiten sehr modern gestaltete Altar samt Ambo, Kreuz, Tabernakel, Osterkerze und Ewiges Licht aufgestellt. Das Ensemble wurde vom bekannten Künstler und Bildhauer Hermann Kunkler gestaltet. 
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Die Orgel

   

Der restaurierte Turm

Die Kirchenorgel
Foto: Reinhard G. Nießing, mit freundlicher Genehmigung

Der restaurierte Turm, 56m hoch
Foto: Reinhard G. Nießing, mit freundlicher Genehmigung
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Im Laufe der Jahre wurde auch der Kirchplatz neu gestaltet, früher nur mit roter Asche belegt wurde er nun komplett gepflastert und mit Raseninseln, auf denen Bäume gepflanzt wurden ausgestattet. Zudem erhielt er eine neue Beleuchtung und auch für damalige Verhältnisse moderne Beton-Pflanzenkübel.

 

Altar und Ambo, gestaltet von Hermann Kunkler
Foto: Walter Biermann, mit freundlicher Genehmigung

 

Kreus mit Tabernakel, daneben das Ewige Licht.
Foto: Walter Biermann, mit freundlicher Genehmigung



In den 80er und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde die Kirche langsam wieder aus dem weißen Minimalismus aufgeweckt. Die Kreuzweg-Gemälde wurden gerahmt und erhielten, durch den Erler Schmied Hermann Buning gefertigte Wandkerzenleuchter. Dieser gestaltete auch den großen Deckenkronleuchter vor dem Chor. Die Kirche erhielt dann auch ihre neue Innenbemalung, die Fensterleibungen wurden farbig eingefasst, die Säulen und die Bögen erhielten schöne, erdige Farben, die Chorwände ebenfalls. Auch die weißen Akustikdecken wurden neu und farbig gestaltet. Es wurde auch der historische Mittelgang wieder installiert. Dieser ist im Laufe der Jahre durch zusätzliche Bänke verschlossen worden. Es wurden neue, farbige Fenster eingebaut. 1991 wurde die Orgelbühne erweitert und eine neue Orgel angeschafft.

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Große Krippe in St.Silvester    

Große Krippe in St.Silvester

Große Krippe in St.Silvester
Foto: Michael Kleerbaum

Große Krippe in St.Silvester
Foto: Michael Kleerbaum
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Große Krippe in St.Silvester
Foto: Reinhard G. Nießing, mit freundlicher Genehmigung

    

 

Die Wiederaufbauarbeiten wurden dann 1998-2000 durch einen gründliche Sanierung der Kirche samt Wiederherstellung des angestammten Spitzen Turms des neugotischen Baus soweit vorerst abgeschlossen. Dieses wurde, wie in den Jahrhunderten vorher, erst durch die unglaubliche Spendenbereitschaft der Erler Kirchengemeinde möglich.


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Der Marienaltar

   

St.Silvester zur Erstkommunion

Der Marienaltar
Foto: Reinhard G. Nießing, mit freundlicher Genehmigung

Erstkommunion mit beflaggter Kirche
Foto: Reinhard G. Nießing, mit freundlicher Genehmigung
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WISSENSWERTES

Das älteste erhaltene Gebäude der Kirchengemeinde St. Silvester ist das alte Pastorat, bekannt auch als Pfarrheim. Es wurde 1790 nach dem Entwurf des Velener Baumeister Tinnefeld errichtet. Mehr Informationen finden Sie hier.

Das Ehrenmal stand nach dem zweiten Kriege auf dem Kirchplatz.

Wo sich bis zum Neubau des Jugendhauses an der Silvesterstraße der Bolzplatz der Erler Jugend befunden hat, lag der alte Friedhof von Erle. Dieser wurde 1967 geschlossen und eingeebnet.

Die auch heute noch stehende und als Wohnhaus genutzte Kaplanei wurde 1914 erbaut.

Das heutige Pastorat wurde nach Plänen des Dorstener Architekten
Prof. Manfred Ludes von 1977 bis 1978 erbaut, aber bereits 1959 wurde aus dem hinteren Teil des alten Pastorats das Jugendheim und eine Begegnungsstätte für Jung und Alt und den Kirchenvereinen. 1967 ist die Erler Pfarrbücherei dorthin gezogen. Nachdem Umzug des Pfarrers wurde das ganze Pastorat zum Jugendheim ausgebaut.

Der Silvesterkindergarten wurde 1964 eingeweiht, die heutige Friedhofskapelle 1974.

Das "Gotteslob" wurde erst 1975 eingeführt.

Es gibt keine Aufzeichnungen darüber, ob das Grab von Pastor Michael Spanier beim Abbruch des alten Kirchleins auf den alten Friedhof an der Silvesterstraße überführt wurde. Lediglich über den Verbleib der einfachen Grabplatte weiß man Bescheid. Er wurde zersägt und als Türstock im Pfarrheim verwendet.

Bei der Reliquie des hl. St.Silvester , die Dechant Karthaus aus Rom mitgebracht hat, handelt es sich entweder um ein keines Knochenfragment oder aber um ein Teilchen aus seiner Grabstätte, das sich seit dem 8. Jahrhundert in der römischen Kirche St. Stephani et Silvestri befindet. Diese Reliquie wurde von Dechant Karthaus kostbar in ein Reliquiar in Form eines Stehkreuzes eingefasst.  Dieses Kreuz wird heute als Altarkreuz an Weihnachten, Silvester, Ostern, Pfingsten, Fronleichnam verwendet und der Priester gibt damit am Ende der Messe den Schlußsegen.

Während der Restaurierung des Turms Ende des Jahrtausends wurde natürlich auch das der Wetterhahn, das Turmkreuz und die Kugel herab geholt. Dabei stellte man fest, das anscheinend jemand Schießübungen auf die Kugel veranstaltet hat. Der Erler Clemens Heßling, der bei der Wiedererrichtung der Erler Kirche nach dem 2. Weltkrieg mitgeholfen hat, meinte sich daran erinnern zu können, das damals in der Kugel eine Urkunde gelegt worden sei. Jetzt konnte man nach über 50 Jahren nachschauen, ob die Erinnerungen von Herrn Clemens ihn nicht  getrogen haben. Tatsächlich fand man in der Kugel ein sorgfältig verschlossenes zölliges Bleirohr, das ca.  12cm lang war. Dieses Rohr hatte eine deutliche Delle, die zeigte wo die Kugel des Turmschützen das Rohr getroffen hatte. Nach dem Öffnen fand man ein zersplittertes Glasfläschchen, in der die Urkunde zusätzlich verwahrt wurde. Auf der Urkunde ist zu lesen:

Urkunde

Im Jahre des Heiles 1949, als Theodor Vortmann Pfarrer von St. Silvester in Erle und Herr Wilhelm Menting stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstandes war, Herr Bernhard Lammersmann als Ortsbürgermeister die politischen Geschäfte führte und Fräulein Dirksen als Schulleiterin tätig war, wurde diese Kirche, die während des zweiten Weltkrieges im Jahre 1945 durch Feindeinwirkung mit Spreng- und Brandbomben bis auf die vier Umfassungsmauern völlig zerstört wurde, durch den Bauunternehmer Heinrich Fasselt aus Schermbeck wieder aufgebaut, die Zimmerarbeit von dem Schreinermeister Aloys Berger von hier ausgeführt, das Kreuz vom hiesigen Schmiedemeister Hermann Buning in eigener Werkstatt angefertigt und gestiftet, Kugel und Hahn vom hiesigen Klempnermeister Johann Nagel in eigener Werkstatt gehämmert und ausgestochen und geschenkt. Kreuz und Hahn wurden am 17. und 18. Oktober 1949 aufgesetzt.

Lobend sei noch erwähnt, daß beim Wiederaufbau der Kirche die ganze Gemeinde abwechselnd Hand- und Spanndienste geleistet hat.

Gebe Gott, daß die Gemeinde Erle, die im lebendigen Glauben an Christus dieses Kreuz errichtet hat, für alle Zeit diesem Glauben treu bleibe. Diese Urkunde wurde am 18. Oktober 1949 mit dem kirchlichen Pfarrstempel besiegelt.

Erle bei Dorsten. d. 18. Oktober 1949
Vortmann, Pfr.

Viele der hier und bei H. Lammersmann beschriebenen sakralen Gegenstände und Einrichtungsteile sind bei der Zerstörung der Kirche 1945 verloren gegangen. Trotzdem haben einige die Zeiten überstanden und sind noch heute im Besitz der Kirchengemeinde: Mehrere Meßgewänder (heute nicht mehr im Gebrauch), drei alte Kelche, zwei Ziborien (größere Kelche für die Kommunionsausteilung), die Monstranz, das Silvesterreliquiar, die Jesus- und Maria-Statue, eine Silvesterstatue (an der Wand hinten in der Kirche), daneben die leicht beschädigte Josef-Statue, die Kreuzwegbilder, das Bild der Immerwährenden Hilfe hinten im Turm (dessen kostbarer Rahmen kurz nach dem 2. Weltkrieg durch Gold- und Silberspenden der Erler Bürger hergestellten werden konnte.)

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Bild der "Immerwährenden Hilfe"
Foto: Walter Biermann, mit freundlicher Genehmigung
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Am Friedhofskreuz auf dem neuen Friedhof sind beerdigt: Dechant Peter Karthaus, Pfarrer Eberhard Grosfeld, Pfarrer Theodor Vortmann, Pastor Franz-Josef Barlage. Neben dem Kreuz ist Kaplan Georg Ording beigesetzt.

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Die Namen der im 1. Weltkrieg gefallenen und vermissten Soldaten aus Erle
Foto: Walter Biermann
mit freundlicher Genehmigung
Die Namen der im 2. Weltkrieg gefallenen und vermissten Soldaten aus Erle
Foto: Walter Biermann
mit freundlicher Genehmigung
Die Namen der im 2. Weltkrieg gefallenen und vermissten Soldaten aus Erle
Foto: Walter Biermann
mit freundlicher Genehmigung

 

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"Hl. Josef"
Foto: Walter Biermann
mit freundlicher Genehmigung
"Hl. Papst Silvester"
Foto: Walter Biermann
mit freundlicher Genehmigung
"Jesus Christus"
Foto: Walter Biermann
mit freundlicher Genehmigung

 

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"Hl. Papst Silvester"
Foto: Walter Biermann
mit freundlicher Genehmigung
"Hl. Maria"
Foto: Walter Biermann
mit freundlicher Genehmigung

 

Quellen:
[1]

Pfarrei St. Silvester: Festschrift zum 100. Jubiläum der Kirche, 1979

[2]

Heinrich Lammersmann: Die Merowingisch-Fränkischen Gräber in Erle 6.-8. Jahrhundert, Heimatkalender der Herrlichkeit Lembeck, 1926, S. 29ff

[3]

Adolph Tibus: Gründungsgeschichte der stifter, pfarrkirchen, klöster und kapellen im bereiche des alten bisthums Münster, mit ausschluss des ehemaligen friesischen theils, Band 1,Teil 2, Münster, 1867, S. 1064 ff.

[4]

Heinrich Lammersmann: Michael Spanier 1622-1669 (70 ?), Heimatkalender der Herrlichkeit Lembeck, 1929, S. 65ff

[5]

Heinrich Lammersmann: Geschichte der Kirchenglocken zu Erle, Heimatkalender der Herrlichkeit Lembeck, 1931, S. 69ff

[6]

Adalbert Friedrich/Lutz Hoffmann: De olde Hanenborg in der Erler-Mark, Heimatkalender der Herrlichkeit Lembeck, 1975, S. 34ff

[7]

Heinrich Lammersmann: Landdechant Peter Karthaus zu Erle, Heimatkalender der Herrlichkeit Lembeck, 1929, S. 76ff

[8]

Heinrich Lammersmann: Das goldene Priesterjubiläum des Dechanten P. Karthaus 1924, Heimatkalender der Herrlichkeit Lembeck, 1925, S. 92ff

[9]

Gerd Buskamp: Erle - Erinnerungen unter der Femeiche. Kindheitsgeschichten, Bonn, 2000

[10]

Heinrich Lammersmann: Das alte Kirchlein 1550-1875, Heimatkalender der Herrlichkeit Lembeck, 1928, S. 74ff

[11]

Ingrid Sönnert: Damals...Menschen und Geschichte(n) aus Raesfeld, Erle und Homer, Gemeinde Raesfeld, 1997, ISBN 3-9804028-1-9, S. 116ff

[12]

Klaus Werner: Die Piuseiche in Erle, Heimatkalender der Herrlichkeit Lembeck., 2005, S. 199 ff

[13]

Ingrid Sönnert: Damals...Menschen und Geschichte(n) aus Raesfeld, Erle und Homer, Gemeinde Raesfeld, 1997, ISBN 3-9804028-1-9, S. 130ff

[14]

Johannes Gramse: 75 Jahre Erler Dorfkirche, Heimatkalender der Herrlichkeit Lembeck, 1954, Seite 59ff

[15]

Prof. Dr. Albert Weskamp: Die Geschichte des Dorfes Erle und seiner Eiche, 1895

[16]

Hermann-Josef Buning: Die Urkunde im Kirchturm von St. Silvester, Heimatkalender der Herrlichkeit Lembeck, 1999, S. 138 ff.